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Was ist Wasserkefir?

Wasserkefir ist ein fermentiertes Getränk, das durch eine Gemeinschaft von Bakterien und Hefen entsteht. Auf dieser Seite erfährst du mehr über die Wissenschaft dahinter — und warum das Netzwerk dieser Kulturen so einzigartig ist.

Fermentation

Hier erfährst du, warum Fermentation ein uraltes Prinzip ist, das uns bis heute in vielen Lebensmitteln des Alltags begegnet.

1. Was ist Fermentation?

Fermentation begleitet den Menschen schon seit Jahrtausenden. Lange bevor bekannt war, dass Mikroorganismen überhaupt existieren, nutzten Menschen ihre Wirkung, um Lebensmittel haltbarer, bekömmlicher und schmackhafter zu machen.

Heute wissen wir: Bei der Fermentation verwandeln Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze Bestandteile von Lebensmitteln, zum Beispiel Zucker, Eiweiße oder Fette, in neue Stoffe. Dabei entstehen Säuren, Gase, Alkohol und viele Aromastoffe, die Geschmack, Geruch, Textur und Haltbarkeit eines Lebensmittels verändern.

Wichtig ist dabei: Fermentation ist kein zufälliges Verderben. Während verdorbene Lebensmittel durch unerwünschte Mikroorganismen ungenießbar oder sogar gefährlich werden können, beruht Fermentation auf erwünschtem mikrobiellem Wachstum. Die beteiligten Mikroorganismen werden gezielt genutzt, um bestimmte Eigenschaften hervorzubringen, wie etwa die Säure im Sauerkraut, die Kohlensäure in fermentierten Getränken oder das Aroma von Käse, Brot und Sojasauce.

2. Welche fermentierten Lebensmittel gibt es?

Ursprünglich war Fermentation vor allem eine Methode, um Lebensmittel länger haltbar und sicherer zu machen. Sie half dabei, empfindliche Rohstoffe zu bewahren und unerwünschte Bestandteile abzubauen. Gleichzeitig entstanden durch Fermentation neue Geschmackswelten.

Viele Lebensmittel, die heute selbstverständlich zu unserem Alltag gehören, gäbe es ohne Mikroorganismen in dieser Form nicht: Joghurt, Käse, Sauerteigbrot, Sauerkraut, Kimchi, Essig, Kaffee, Kakao, Sojasauce, Bier, Wein, Kombucha - und auch Kefir. Fermentierte Lebensmittel sind deshalb keine moderne Nische, sondern Teil einer langen Kulturgeschichte. Sie kommen weltweit in sehr unterschiedlichen Formen vor und spiegeln regionale Zutaten, Traditionen und Essgewohnheiten wider.

3. Wo gehört Wasserkefir dazu?

Wasserkefir gehört zu den fermentierten Getränken. Anders als Bier oder Wein steht bei Wasserkefir nicht die Bildung von Alkohol im Vordergrund. Stattdessen prägen vor allem Milchsäurebakterien und Essigsäurebakterien gemeinsam mit Hefen den Charakter des Getränks. Sie leben in den sogenannten Wasserkefir-Kristallen: kleinen, durchscheinenden Strukturen, in denen Mikroorganismen in einer von ihnen selbst gebildeten Matrix zusammenleben.

Gibt man diese Kristalle in Zuckerwasser mit Trockenfrüchten oder anderen Zutaten, beginnt die Fermentation. Die Mikroorganismen nutzen den Zucker als Nahrungsquelle und wandeln ihn in verschiedene Stoffwechselprodukte um. So entsteht ein leicht säuerliches, meist sanft sprudelndes Getränk mit komplexem Geschmack. Wasserkefir ist damit ein anschauliches Beispiel dafür, wie aus einfachen Zutaten durch das Zusammenspiel lebender Mikroorganismen ein neues Lebensmittel entsteht.

Wasserkefir

Hier erfährst du, was Wasserkefir ist, woher er kommen könnte und wie er sich von Milchkefir und Kombucha unterscheidet.

1. Was ist Wasserkefir?

Wasserkefir ist ein fermentiertes Getränk, das aus Wasser, Zucker, Trockenfrüchten und sogenannten Wasserkefir-Kristallen hergestellt wird. Diese Kristalle sind keine Kristalle im mineralischen Sinn, sondern kleine, durchscheinende Gebilde, in denen verschiedene Mikroorganismen zusammenleben. Vor allem Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen arbeiten hier gemeinsam und verwandeln Zuckerwasser in ein leicht säuerliches, sprudelndes Getränk.

Vom Geschmack erinnert Wasserkefir oft an eine milde Limonade. Je nachdem, wie lange er fermentiert, welche Zutaten verwendet werden und welche Kultur beteiligt ist, kann er eher süß, fruchtig, blumig, zitronig oder deutlich saurer schmecken.

Während der Fermentation verändert sich das Aroma: Aus dem anfangs süßen Ansatz entsteht nach und nach ein komplexeres Getränk mit frischen, säuerlichen und leicht fermentierten Noten. Die Kohlensäure entsteht dabei ganz natürlich. Während die Mikroorganismen den Zucker verwerten, bilden sie verschiedene Stoffwechselprodukte, darunter Säuren, Aromastoffe und Kohlendioxid. Dieses Kohlendioxid sorgt für das sanfte Prickeln. Auch geringe Mengen Alkohol können entstehen. Der Alkoholgehalt liegt deutlich unter dem von Bier oder Wein, dennoch ist Wasserkefir nicht grundsätzlich vollständig alkoholfrei. Das kann zum Beispiel für Kinder, Schwangere oder Menschen, die auf Alkohol verzichten möchten, wichtig sein.

Da Wasserkefir auf Wasser, Zucker und pflanzlichen Zutaten basiert, ist er in der Regel vegan. Gleichzeitig handelt es sich um ein lebendiges und variables Lebensmittel: Nicht jede Kultur ist gleich, und auch die Herstellung zu Hause beeinflusst Geschmack, Säure, Süße und Kohlensäure. Genau diese Vielfalt macht Wasserkefir spannend. Jede Kultur bringt ihren eigenen Charakter mit.

2. Ist Wasserkefir gesund?

Wasserkefir wird häufig mit möglichen positiven Effekten auf die Gesundheit in Verbindung gebracht. In wissenschaftlichen Studien wurden unter anderem antioxidative, entzündungshemmende oder stoffwechselbezogene Eigenschaften untersucht. Außerdem können in Wasserkefir potenziell probiotische Mikroorganismen vorkommen, darunter bestimmte Milchsäurebakterien und Bifidobakterien, die grundsätzlich mit einer Unterstützung der Darmgesundheit in Verbindung gebracht werden.

Viele dieser Ergebnisse stammen jedoch aus Laborversuchen oder Tierstudien und lassen sich nicht automatisch auf den Menschen übertragen. Deshalb sollte Wasserkefir nicht als „Heilmittel“ verstanden werden. Er ist vor allem ein fermentiertes Getränk mit lebenden Mikroorganismen, vielfältigen Aromen und einer langen Tradition der Weitergabe und Herstellung.

3. Woher kommt Wasserkefir?

Wo Wasserkefir ursprünglich entstanden ist, lässt sich heute nicht eindeutig sagen. Anders als viele industriell hergestellte Lebensmittel hat Wasserkefir keine klar dokumentierte Ursprungsgeschichte. Die Kulturen wurden vermutlich über lange Zeit von Haushalt zu Haushalt weitergegeben, angepasst und immer wieder neu angesetzt. Dabei gingen genaue Informationen über ihren Ursprung leicht verloren. Eine häufig genannte Vermutung führt nach Mexiko. Dort sollen kefirähnliche Kristalle auf den Blättern von Opuntien, also Feigenkakteen, vorgekommen sein. Diese Pflanzen können zuckerreiche Pflanzensäfte abgeben, die Mikroorganismen als Nahrungsquelle dienen. Aus solchen natürlichen Lebensräumen könnten sich gemeinschaftlich lebende Mikroorganismen entwickelt haben, die später für die Herstellung fermentierter Getränke genutzt wurden.

Eine andere Spur führt in den Kaukasus. Dort wurden im 19. Jahrhundert ähnliche Strukturen beschrieben, die als „ginger beer plants“ bekannt waren. Auch sie bestanden aus einer festen, gallertartigen Gemeinschaft von Mikroorganismen und wurden zur Herstellung fermentierter Getränke verwendet. Ob diese Kulturen mit heutigen Wasserkefir-Kristallen direkt verwandt sind, ist jedoch nicht sicher geklärt.

Möglich ist auch, dass Wasserkefir nicht nur einen einzigen Ursprung hat. Vielleicht sind ähnliche mikrobielle Gemeinschaften an verschiedenen Orten entstanden, wurden weitergegeben, vermischt und an neue Zutaten und Gewohnheiten angepasst. Da Wasserkefir-Kristalle lebende Kulturen sind, verändern sie sich mit ihrer Umgebung: mit dem verwendeten Zucker, den Früchten, dem Wasser, der Temperatur und der Art, wie Menschen sie pflegen.

Heute ist Wasserkefir weltweit verbreitet. Besonders in Fermentationsgemeinschaften wird er geteilt, weitergegeben und immer wieder neu entdeckt. Jede Kultur trägt eine eigene Geschichte in sich, auch wenn wir sie oft nur teilweise kennen.

4. Unterschied zu Milchkefir & Kombucha?

Wasserkefir wird oft mit Milchkefir und Kombucha verglichen. Das ist naheliegend, denn alle drei sind fermentierte Getränke, die durch eine Gemeinschaft aus Bakterien und Hefen entstehen. Diese Mikroorganismen leben nicht einzeln, sondern in einer gemeinsamen Struktur: bei Wasserkefir und Milchkefir in sogenannten Kristallen, Körnern oder Knöllchen/Knollen, bei Kombucha in einer scheibenähnlichen Kultur, die häufig als „Scoby“ bezeichnet wird. Trotzdem unterscheiden sich die drei deutlich.

Milchkefir wird aus Milch hergestellt und ist cremig, ähnlich wie ein trinkbarer Joghurt. Kombucha entsteht aus gesüßtem Tee und wird meist deutlich länger fermentiert. Wasserkefir dagegen basiert auf Zuckerwasser mit pflanzlichen Zutaten wie Trockenfrüchten. Er ist in der Regel leichter, spritziger und eher limonadenartig im Geschmack. Außerdem unterscheiden sich die beteiligten Mikroorganismen-Spezies und die Struktur, in der sie zusammenleben.

Rezept und Herstellung

Hier erfährst du, wie du Wasserkefir zu Hause selbst ansetzen kannst und worauf du bei Zutaten, Fermentation und Aufbewahrung achten solltest.

Zutaten und Zubehör für Wasserkefir: ein Sieb mit Wasserkefir-Kristallen über einer Schale, ein Glas Zucker, ein Bügelglas, getrocknete Feigen, Minze, eine halbe Zitrone und ein Messer auf einem Holzbrett

Zutaten

  • 2-3 EL Wasserkefir-Kristalle
  • 500 mL Wasser
  • 3 EL Zucker
  • 20 g ungeschwefelte, unkonservierte Trockenfrüchte
  • Optional: eine Zitronenscheibe ohne Schale

Anleitung

Schritt 1

Zuckerwasser vorbereiten

Gib 500 mL Wasser in ein sauberes Gefäß und rühre 3 EL Zucker ein, bis er sich gelöst hat.

Zuckerwasser vorbereiten

Schritt 2

Wasserkefir-Kristalle hinzufügen

Gib 2-3 EL Wasserkefir-Kristalle in den Ansatz.

Wasserkefir-Kristalle hinzufügen

Schritt 3

Früchte zugeben

Gib ca. 20 g Trockenfrüchte dazu, zum Beispiel Feigen, Datteln, Kirschen oder Aprikosen. Wenn du möchtest, kannst du zusätzlich eine Zitronenscheibe ohne Schale hinzufügen. Rühre vorsichtig um.

Früchte zugeben

Schritt 4

Gefäß abdecken

Decke das Gefäß mit einem sauberen Tuch, einem Kaffeefilter oder einem locker aufgelegten Deckel ab. Es sollte nicht luftdicht verschlossen sein, damit entstehendes Kohlendioxid entweichen kann.

Gefäß abdecken

Schritt 5

Fermentieren lassen

Lass den Ansatz 1-3 Tage bei Raumtemperatur stehen. Je länger er fermentiert, desto weniger süß und desto säuerlicher wird der Wasserkefir. Eine Fermentation im Kühlschrank ist auch möglich, dann dauert es aber etwas länger, bis die Mikroorganismen den Zucker umgewandelt haben.

Fermentieren lassen

Schritt 6

Absieben

Gieße den Ansatz durch ein Sieb, um die Wasserkefir-Kristalle von der Flüssigkeit zu trennen. Entferne auch die Trockenfrüchte und die Zitrone.

Absieben

Schritt 7

Kristalle weiterverwenden und teilen

Spüle die Wasserkefir-Kristalle gründlich mit Wasser ab und verwende sie direkt für den nächsten Ansatz. Optional kannst du einen kleinen Schluck der fertigen Flüssigkeit zum neuen Ansatz geben. Mit der Zeit können Wasserkefir-Kristalle wachsen und sich vermehren. Überschüssige Kristalle kannst du für neue Ansätze verwenden oder weitergeben. Wenn aus deiner Kultur ein neuer Ableger entsteht, kannst du diese Verbindung bei KefirConnect eintragen und so das Netzwerk erweitern.

Kristalle weiterverwenden und teilen

Schritt 8

Genießen oder Zweitfermentation

Du kannst den Wasserkefir direkt trinken oder für eine zweite Fermentation in eine verschließbare Flasche füllen und weitere 1-2 Tage im Kühlschrank lagern. Dabei kann mehr Kohlensäure entstehen. Öffne die Flasche vorsichtig, da sich Druck aufbauen kann.

Genießen oder Zweitfermentation

Gut zu wissen

Während der Fermentation nutzen die Mikroorganismen den Zucker als Nahrungsquelle. Dabei entstehen unter anderem Säuren, Aromastoffe, Kohlendioxid und geringe Mengen Alkohol. Das Kohlendioxid sorgt für das leichte Prickeln, die Säuren für den frischen Geschmack.

Dieses Grundrezept ist als Orientierung gedacht. Wasserkefir ist ein lebendiges Ferment, deshalb darf der Ansatz je nach Geschmack angepasst werden. Du kannst mit verschiedenen Zuckersorten, Trockenfrüchten und sogar frischen Früchten oder Gemüse experimentieren.

Getrocknete Feigen werden zum Beispiel häufig verwendet, weil sie den Mikroorganismen zusätzliche Nährstoffe liefern. Aber auch andere Trockenfrüchte, Zuckersorten und zusätzliche Zutaten können gut funktionieren. Wichtig ist nur: Verwende möglichst ungeschwefelte und unkonservierte Zutaten, denn Konservierungsstoffe können auch die Wasserkefir-Mikroorganismen hemmen. Erlaubt ist, was schmeckt, solange es den Kefir-Mikroben auch gut bekommt.

Wenn du eine Pause machen möchtest oder im Urlaub bist, kannst du deinen Wasserkefir vorübergehend im Kühlschrank aufbewahren. Setze ihn dafür wie gewohnt an, gib aber etwa einen zusätzlichen Löffel Zucker dazu. Im Kühlschrank läuft die Fermentation deutlich langsamer ab, sodass die Kristalle für bis zu 3 Wochen versorgt bleiben. Nach der Pause kann es sein, dass der Wasserkefir etwas Zeit braucht, um wieder richtig aktiv zu werden. Oft dauert es zwei bis drei neue Ansätze, bis die Kristalle wieder ihre volle Fermentationskraft erreicht haben.

Tipp

Wenn du stark vom Grundrezept abweichst oder neue Zutaten ausprobierst, ist ein Backup-Ansatz sinnvoll: Setze parallel eine kleine Menge Wasserkefir nach dem Standardrezept an oder bewahre einen Teil deiner Kristalle separat auf. So hast du eine sichere Reserve, falls ein Experiment nicht gelingt.

Forschung

Hier erfährst du, warum Wasserkefir für die mikrobiologische Forschung spannend ist und was seine lebenden Kristalle so besonders macht.

1. Wer lebt im Wasserkefir?

Wasserkefir ist nicht nur ein fermentiertes Getränk, sondern auch ein spannendes Beispiel für eine stabile mikrobielle Gemeinschaft. An seiner Herstellung ist nicht eine einzelne Mikroorganismenart beteiligt, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Bakterien und Hefen. Die wichtigsten Gruppen sind Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen.

Zusätzlich können auch andere Mikroorganismen wie Bifidobakterien vorkommen. Welche Arten genau in einer Kultur leben, kann sich von Kultur zu Kultur unterscheiden. Jede Wasserkefir-Kultur hat also eine eigene mikrobielle Zusammensetzung, kann aber durchaus Gemeinsamkeiten mit anderen Kulturen aufweisen.

2. Wie arbeiten die Mikroorganismen zusammen?

Trotz dieser Unterschiede funktionieren Wasserkefir-Kulturen erstaunlich zuverlässig. Das liegt daran, dass die Mikroorganismen nicht unabhängig voneinander leben, sondern miteinander interagieren. Hefen können zum Beispiel Zucker aufspalten und Stoffe freisetzen, die von Bakterien weiterverwendet werden. Milchsäurebakterien bilden organische Säuren und tragen dazu bei, dass der Ansatz schnell saurer wird. Essigsäurebakterien können unter anderem Alkohol weiter zu Essigsäure umwandeln.

Gemeinsam entstehen so die typischen Eigenschaften von Wasserkefir: ein frischer, säuerlicher Geschmack, leichte Kohlensäure, Aromastoffe und geringe Mengen Alkohol. Dabei entsteht eine Art mikrobielle Arbeitsteilung. Manche Mikroorganismen stellen Stoffe her, die andere nutzen können. Andere verändern die Umgebung, zum Beispiel durch die Bildung von Säuren, und schaffen dadurch Bedingungen, unter denen die Gemeinschaft als Ganzes stabil bleibt.

Diese gegenseitigen Abhängigkeiten machen Wasserkefir besonders interessant für die Forschung: Er zeigt, wie verschiedene Mikroorganismen zusammenleben, miteinander konkurrieren und sich gleichzeitig gegenseitig unterstützen können.

3. Was macht die Kristalle so besonders?

Eine besondere Rolle spielen die Wasserkefir-Kristalle. Sie sind keine Kristalle im mineralischen Sinn, sondern stabile Biofilme aus mehreren Mikroorganismenarten. Die Mikroorganismen leben darin eingebettet in einer gelartigen Matrix, die sie selbst bilden. Von außen erscheinen die Kristalle meist durchsichtig bis milchig-weiß, weich und leicht elastisch. In ihrem Inneren sind die Mikroorganismen räumlich organisiert. Dadurch entstehen kleine Lebensräume mit unterschiedlichen Bedingungen, etwa in Bezug auf Nährstoffe oder Sauerstoff. Gerade diese Struktur macht Wasserkefir-Kristalle so besonders. Sie schützen die Mikroorganismen, erleichtern ihre Zusammenarbeit und tragen dazu bei, dass die Gemeinschaft über viele Fermentationszyklen erhalten bleibt.

Gleichzeitig sind Wasserkefir-Kristalle bisher nicht künstlich herstellbar. Man kann sie also nicht einfach aus einzelnen Mikroorganismen im Labor neu zusammensetzen. Sie lassen sich nur vermehren, indem bereits vorhandene Kristalle wachsen und weitergegeben werden. Bemerkenswert ist außerdem, dass Wasserkefir-Kulturen robust sind, obwohl sie nicht überall exakt gleich zusammengesetzt sind. Offenbar können verschiedene Arten ähnliche Aufgaben übernehmen. Solche mehrfach abgedeckten Kernfunktionen nennt man funktionelle Redundanz. Dadurch kann die Gemeinschaft stabil bleiben, auch wenn sich einzelne Arten in ihrer Häufigkeit verändern oder von Kultur zu Kultur unterscheiden.

Für die Forschung ist Wasserkefir deshalb ein wertvolles Modellsystem: Er hilft zu verstehen, wie komplexe mikrobielle Gemeinschaften entstehen, stabil bleiben, sich anpassen und über lange Zeit von Mensch zu Mensch weitergegeben werden können.

Mitmachen

Hier erfährst du, wie du mit deiner Wasserkefir-Kultur Teil von KefirConnect werden und zur Erforschung dieses lebendigen Netzwerks beitragen kannst.

Gemeinsam forschen: Citizen Science trifft Wasserkefir

Citizen Science bedeutet, dass Menschen außerhalb klassischer Forschungseinrichtungen aktiv an wissenschaftlichen Projekten mitwirken. Sie sammeln Daten, teilen Beobachtungen, stellen Proben bereit oder bringen ihr eigenes Wissen und ihre Erfahrungen ein. So können Forschungsfragen bearbeitet werden, die ohne die Beteiligung vieler Menschen kaum möglich wären.

Um mitzumachen, benötigt man keine wissenschaftliche Ausbildung. Im Gegenteil: Citizen-Science-Projekte leben davon, dass viele unterschiedliche Menschen teilnehmen können. Citizen Science verbindet dadurch wissenschaftliche Forschung mit Alltagserfahrungen. Die Teilnehmenden werden nicht nur als Datenquelle betrachtet, sondern als wichtige Partnerinnen und Partner im Forschungsprozess. Gleichzeitig kann Wissenschaft transparenter und zugänglicher werden: Menschen bekommen Einblick, wie Forschung funktioniert, warum Daten wichtig sind und wie aus vielen einzelnen Beiträgen gemeinsames Wissen entsteht.

Genau hier setzt KefirConnect an. Wasserkefir-Kulturen werden meist privat gepflegt, geteilt und weitergegeben: oft über Freundeskreise, Familien oder lokale Fermentationsgruppen. Dadurch entsteht ein lebendiges Netzwerk, das bisher kaum sichtbar ist. Mit KefirConnect möchten wir gemeinsam erfassen, wo Wasserkefir-Kulturen leben, wie sie weitergegeben werden und welche Geschichten mit ihnen verbunden sind.

Jede registrierte Kultur hilft dabei, dieses Netzwerk Schritt für Schritt sichtbar zu machen. Wer teilnimmt, hilft dabei, ein größeres Bild zu zeichnen: Woher kommen Wasserkefir-Kulturen? Wie werden sie geteilt? Wie groß können solche Netzwerke werden? Und wie stabil bleibt eine mikrobielle Gemeinschaft, wenn sie durch viele Hände geht?

So läuft das Projekt ab

KefirConnect ist in zwei Projektphasen aufgebaut. In der ersten Phase möchten wir zunächst sichtbar machen, wo Wasserkefir-Kulturen leben und wie sie miteinander verbunden sind. Dafür können Teilnehmende ihre eigene Kultur auf der Karte registrieren und angeben, woher sie stammt oder an wen sie weitergegeben wurde. So entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk aus Wasserkefir-Kulturen, das zeigt, wie diese lebendigen Gemeinschaften geteilt, weitergetragen und miteinander verknüpft werden.

In der zweiten Projektphase möchten wir ausgewählte Kulturen genauer untersuchen. Dafür sollen Proben gesammelt und im Labor analysiert werden. Uns interessiert zum Beispiel, welche Mikroorganismen in verschiedenen Wasserkefir-Kulturen vorkommen, wie ähnlich oder unterschiedlich verwandte Kulturen sind und wie stabil eine mikrobielle Gemeinschaft bleibt, wenn sie über längere Zeit gepflegt und von Haushalt zu Haushalt weitergegeben wird. Die Karte aus der ersten Phase hilft uns dabei, solche Zusammenhänge gezielt zu untersuchen.